Altkleidersammlung war zuletzt durch eine Greenpeace-Studie in die Schlagzeilen geraten, viel wurde über Exporte und fragwürdige Entsorgungswege diskutiert. Doch die Realität sieht differenzierter aus – insbesondere dort, wo Soziale Unternehmen Verantwortung übernehmen!
Die 20 Kleidungsstücke im Greenpeace-Report, die mit GPS Trackern versehen worden waren und die unzählige unnötige Kilometer zurückgelegt hatten, waren ausschließlich von profitorientierten Textilsammlern gekommen. Keines der nachverfolgten Textilstücke war bei einer Sammelstelle eines Sozialen Unternehmens abgegeben worden. Deshalb ist es wichtig, nicht alle Unternehmen über einen Kamm zu scheren und vor allem den Mehrwert von Textil-Reuse und -Recycling nicht zu untergraben!
Keine leeren Kilometer
arbeit plus NÖ Mitglieder unida services in Amstetten, lebmit & bunttex in Gmünd oder Eibetex in Waidhofen/Thaya zeigen mit ihrem Second-Hand Textilverkauf vor, wie ökologisch UND sozial nachhaltige Kreislaufwirtschaft funktioniert – ganz ohne leere Kilometer!
Ziel der Sozialen Unternehmen ist nicht der schnelle Gewinn, sondern die Verknüpfung von Ökologie und sozialer Integration. Gespendete Kleidung wird von vormals langzeiterwerbsarbeitslosen Frauen sortiert, aufbereitet und in regionalen Filialen verkauft. Auf diese Weise entstehen Arbeitsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt, während gleichzeitig wertvolle Ressourcen geschont werden.
Das Modell hat gleich mehrere Vorteile:
- Kreislaufwirtschaft statt Müllberge: Jedes Kleidungsstück, das ein zweites Leben erhält, spart Wasser, Energie und CO₂ ein.
- Regionale Wertschöpfung: Statt Ware um die halbe Welt zu transportieren, bleibt der Großteil in NÖ.
- Soziale Wirkung: Beschäftigung und Qualifizierung schaffen Chancen für Menschen, die sonst am Rande des Arbeitsmarktes stehen.
Fast-Fashion Flut und Chancen
Herausfordernd bleibt die wachsende Flut von Fast-Fashion: Billige, kurzlebige Mode verschlechtert die Qualität der Spenden und erschwert die Wiederverwendung
Chancen auf Veränderung sieht Maria Nirnsee, Geschäftsführerin von arbeit plus NÖ, in der Bewusstseinsbildung und durchdachteren Rahmenbedingungen: „Allein durch Textil-Reuse und -Recycling lässt sich die Überproduktionskrise nicht bewältigen. Es braucht bewusste Kaufentscheidungen, ein klares Gesetz gegen Fast Fashion sowie transparente Lieferketten. Soziale Unternehmen beweisen, dass Mode auch nachhaltig und fair gestaltet werden kann – durch regionalen Wiedergebrauch, den achtsamen Umgang mit Ressourcen und die Schaffung von Arbeitsplätzen für benachteiligte Menschen.“
Textilien-Notfallplan
Ein wichtiger Ansatz, zumal der Sektor für gebrauchte Textilien und Abfalltextilien in der EU derzeit die größte Krise seiner Geschichte durchlebt: Unzureichende Kapazitäten in Sachen Textilsammlung und-sortierung stellen Unternehmen in der gesamten EU vor existentielle Herausforderungen. RREUSE, das Reuse-Netzwerk auf europäischer Ebene, legte erst kürzlich konkrete Forderungen und Maßnahmen dar, die im Rahmen eines Textilen-Notfallplans dringend umgesetzt werden müssen – nachzulesen in den Positionspapieren von Re-Use Austria!

