Nachlese: Exkursion zu MAGMA, ins Museum Marienthal und Phönix Ostarrichi

Am 1. September besuchte eine 37-köpfige Delegation, bestehend aus Vertreter:innen von arbeit plus Niederösterreich– und ASN-Mitgliedern sowie Interessierten das Projekt MAGMA – Modellprojekt Arbeitsplatzgarantie Marienthal, das dortige Museum sowie das Soziale Unternehmen Phönix Ostarrichi in Ternitz im südlichen Niederösterreich.

MAGMA

Einer herzlichen Begrüßung durch MAGMA-Projektleiterin und itworks Mitarbeiterin Daniela Scholl und ihren Kolleg:innen folgend, konnten die Exkursionsteilnehmer:innen nicht nur spannende Infos zum Projekt erhalten, sondern sich auch von der Wirksamkeit des umfassenden Angebots von MAGMA überzeugen.

Ziel des vom AMS Niederösterreich finanzierten Modellprojektes ist es, alle Langzeitarbeitslosen der Modellregion Gramatneusiedl (Bezirk Bruck an der Leitha) wieder in Beschäftigung zu bringen. In Anlehnung an das von prospect evaluierte Niederösterreichische Stufenmodell erfolgt der Einstieg mehrstufig:  Nach einem achtwöchigen Vorbereitunsangebot, bei dem Kompetenzen, Interessen und Ziele der Teilnehmer:innen abgeklärt werden, können diese in einem der Beschäftigungsbereiche – wie etwa die Kreativwerkstatt, Tischlerei oder Grünraumpflege – aktiv werden. Zeitgleich werden die Projektteilnehmer*innen durch Outplacement-Aktivitäten, Beratung und Qualifizierungsangebote beim Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt unterstützt.

Als klare Vorteile des Modellprojektes erkannten die Expert:innen, die das Projekt vor Ort besuchen durften, ebenso wie die Projekt-Mitarbeiter*innen, die längerfristige Perspektive, anhand der die Teilnehmer:innen ihren Bedürfnissen entsprechend dabei begleitet werden können, wieder im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Als wesentlicher Aspekt für den Erfolg des Projektes stellte sich auch der partizipative Ansatz heraus, der es den Teilnehmenden ermöglicht, ihre Arbeit als sinnstiftend zu erfahren. In einer Ideenschmiede werden – mit Unterstützung der Mitarbeiter*innen, in enger Kooperation mit der Gemeinde und vor allem aber basierend auf den Lebensrealitäten der Teilnehmer*innen – Bedarfe identifiziert und Lösungsvorschläge entwickelt. Mit daraus entstandenen Tätigkeiten, wie etwa dem Anlegen eines Permakultur-Gartens, der neben der Erntemöglichkeit für Besucher:innen auch eine Oase des sozialen Miteinanders darstellt, der Alltagsbegleitung von Senior:innen, der Erstellung einer Topothek für die Gemeinde, dem Renovieren von alten Möbeln, etc. werden wertvolle Beiträge zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit geleistet und machen das Projekt und die Gemeinde dadurch zu Entwicklungslaboren Sozialer Innovation.

Museum Marienthal

In einen historischen Kontext wurde das Projekt MAGMA durch einen Besuch im gleich vis-a-vis liegenden Museum Marienthal gesetzt, zumal die Auswahl der Gemeinde zur Umsetzung des Projektes nicht zufällig erfolgt war. Der Standort erlangte schon einmal durch die „Marienthal-Studie“ weltweite Bekanntheit. Die bahnbrechende Studie von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel hatte die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit aufgezeigt, nachdem die dortige große Textilfabrik 1930 geschlossen und mehr als 1.000 Menschen mit einem Schlag arbeitslos geworden waren. Das Museum Marienthal gibt einen Überblick über die Geschichte der Fabrik und Arbeiterkolonie Marienthal im Kontext des ehemaligen Bauerndorfes Gramatneusiedl, verdeutlicht die hoch entwickelte Arbeiter:innen- und bemerkenswerte Unternehmerkultur, dokumentiert Marienthal als einen der ältesten noch aktiven Industriestandorte Österreichs und informiert über wesentliche Aspekte der sogenannten Marienthal−Studie.

Einstweilen wird es Mittag

… heißt nicht nur die bedeutende ORF-Produktion von Karin Brandauer über die Marienthal-Studie – langsam wurde es auch für die Exkursionsteilnehmer:innen Zeit, weiter zu ziehen – mit im Gepäck jede Menge neuer Inspiration und gespannt, ob ihre Erfahrungen der Wirksamkeit längerfristig konzipierter Stufenmodelle und partizipativer Ansätze in den unterschiedlichen Sozialen Unternehmen von den Begleitstudien der Oxford University und Uni Wien auch belegt werden. Bei der Mittagspause in Hirtenberg wurde die Zeit für regen Austausch unter den Teilnehmenden genutzt.

Nachmittags ging die Reise weiter zu Phönix Ostarrichi am Standort Ternitz, im Herzen des Industrieviertels. Herzlich wurden die Besucher:innen auch von Geschäftsführerin Sabrina Schwarz und ihrem Team willkommen geheißen und konnten die unterschiedlichen Bereich des Sozialökonomischen Betriebes, von Serienfertigungen in Kooperation mit lokalen Unternehmen in der Schlosserwerkstatt über Grünraumpflege, Räumungen und Entrümpelungen, Reinigung und Bügelservices, die das Soziale Unternehmen sowohl für Gemeinden als auch private Kund:innen anbietet, kennenlernen.

Und obwohl die Rückreise aufgrund von verstopften Verkehrswegen aufgrund des Ed Sheeran Konzertes länger als erwartet dauerte, war der gemeinsame Ausflug für die Teilnehmer:innen so, wie es im wohl bekanntesten Songtitel des Stau-Verursachers lautet: „Perfect!“