Gemeinsam Zukunft gestalten
30 Jahre Netzwerkarbeit, Interessenvertretung und Einsatz für #gutearbeitfüralle: arbeit plus – Soziale Unternehmen Niederösterreich feierte am 16. September 2026 sein Jubiläum gemeinsam mit Mitgliedern, Wegbegleiter:innen und Partner:innen aus Arbeitsmarktpolitik, Sozialpartnerschaft, Politik und Verwaltung.
Im historischen Kesselhaus der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten wurde dabei nicht nur zurückgeblickt. Im Mittelpunkt stand vor allem die Frage: Was braucht es, damit Arbeitsmarktintegration auch in den kommenden Jahrzehnten gut funktioniert?
Was vor 30 Jahren als NÖB – als Netzwerk Niederösterreichischer Beschäftigungsprojekte – begann, ist heute arbeit plus Niederösterreich: ein starkes Netzwerk gemeinnütziger Sozialer Unternehmen. Unsere Mitglieder beraten, qualifizieren und beschäftigen Menschen, die beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt Unterstützung benötigen. Gleichzeitig schaffen sie sozialen, ökologischen und regionalen Mehrwert – in allen vier Vierteln Niederösterreichs.
Ein passender Ort für ein Jubiläum rund um Arbeit
Mit dem Kesselhaus der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik wurde bewusst ein Ort gewählt, dessen Geschichte eng mit dem Thema Arbeit verbunden ist. Die 1906 eröffnete Glanzstoff war über viele Jahrzehnte ein bedeutender Industriestandort in St. Pölten. Das denkmalgeschützte Turbinenhaus und das Kesselhaus bildeten einst die Energiezentrale der Fabrik.
Ein passendes Bild auch für arbeit plus Niederösterreich: Denn Energie, Veränderung und die Frage, wie Arbeit gestaltet wird, ziehen sich durch die vergangenen 30 Jahre – und werden auch die kommenden Jahrzehnte prägen.
Mit Videobotschaften von Bundesministerin Korinna Schumann und Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner wurde die Bedeutung von Arbeitsmarktintegration und Chancengerechtigkeit auch aus bundespolitischer Perspektive aufgegriffen.
BMin Holzleitner betonte die Wichtigkeit frauenspezifischer Angebote insbesondere in Zeiten eines deutlichen Anstiegs von lange andauernder, verfestigter Arbeitslosigkeit von Frauen und würdigte die Angebote der Sozialen Unternehmen in unserem Netzwerk, von denen sich ein Drittel explizit an Frauen richtet.
Was braucht Arbeitsmarktintegration in Zukunft?
Beim anschließenden Podiumsgespräch richtete sich der Blick bewusst nach vorne. Mit Vertreter:innen zentraler Partnerorganisationen und des Netzwerks wurde diskutiert, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit auch künftig Menschen Chancen auf Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe erhalten.
Petra Draxl, Vorstandsvorsitzende des AMS Österreich, Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS Niederösterreich, LAbg. Vizebürgermeister Florian Krumböck in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz, Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus Österreich, sowie Jörg Emmer, Vorstandsmitglied von arbeit plus Niederösterreich und Geschäftsführer der Naturwerkstatt Ökokreis.
Im Zentrum standen die großen Veränderungen am Arbeitsmarkt: Digitalisierung, demografischer Wandel, wirtschaftliche und ökologische Transformation, Fachkräftebedarf und sich verändernde Zielgruppen. Gerade für Menschen, die nicht unmittelbar in reguläre Beschäftigung vermittelt werden können, braucht es Angebote, die Zeit, Qualifizierung, Stabilisierung und praktische Arbeitserfahrung ermöglichen.
Soziale Unternehmen leisten genau das. Sie sind seit Jahrzehnten bewährte Instrumente der Aktiven Arbeitsmarktpolitik und zugleich Orte, an denen neue Lösungen entwickelt und erprobt werden können.
Partnerschaft und Planungssicherheit
Deutlich wurde auch: Damit Soziale Unternehmen diese Aufgabe erfüllen können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ihren Fördergeber:innen.
Arbeitsmarktpolitik muss auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen reagieren und Prioritäten anpassen können. Veränderungen bei Förderungen und Angeboten betreffen jedoch nicht nur Organisationen. Sie betreffen Mitarbeiter:innen und Teilnehmer:innen ebenso wie regionale Strukturen und über viele Jahre – zum Teil Jahrzehnte – aufgebautes Wissen.
Gerade in Zeiten schwieriger Entscheidungen braucht es daher frühzeitige Information, Transparenz und partnerschaftlichen Dialog. Die Erfahrungen und die nachgewiesene Wirkung langjähriger Sozialer Unternehmen müssen bei Veränderungen angemessen berücksichtigt werden. Denn Strukturen, Know-how und Netzwerke, die über Jahrzehnte gewachsen sind, lassen sich nicht kurzfristig ersetzen.
Viele Teile ergeben ein Ganzes
Symbolisch erhielten die Teilnehmer:innen des Podiums jeweils ein Puzzleteil. Am Ende wurden die einzelnen Teile zu einem gemeinsamen Bild zusammengesetzt.
Das Puzzle steht für einen Grundgedanken, der arbeit plus Niederösterreich seit seiner Gründung begleitet: Erfolgreiche Arbeitsmarktintegration ist keine Aufgabe einer einzelnen Organisation. Sie entsteht im Zusammenspiel von Sozialen Unternehmen, AMS, Politik, Sozialpartnerschaft, Verwaltung, Wissenschaft und vielen weiteren Partner:innen.
Wenn wir gemeinsam denken, handeln und gestalten, können wir auch große Herausforderungen bewältigen.

Von Vermittlung zu Wirkung
30 Jahre arbeit plus Niederösterreich bedeuten auch 30 Jahre Veränderung in der Arbeitsmarktpolitik. Im Gespräch mit der langjährigen Geschäftsführerin Maria Nirnsee und der künftigen Geschäftsführerin Martina Könighofer wurde deutlich, wie sehr sich auch der Blick auf den Erfolg arbeitsmarktpolitischer Angebote verändert hat.
Im Mittelpunkt stand und steht die Überzeugung, dass Arbeitslosigkeit nicht als individuelles Versagen betrachtet werden darf, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Arbeit bedeutet weit mehr als die unmittelbare Vermittlung in einen Job: Sie kann Stabilisierung ermöglichen, Qualifikationen vermitteln, soziale Teilhabe fördern und neue Perspektiven eröffnen.
Gerade für Menschen mit größeren Hürden am Arbeitsmarkt verläuft Integration nicht immer geradlinig. Oft braucht es Zwischenschritte. Diese differenzierte Sicht auf Wirkung hat die Arbeit Sozialer Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich geprägt.
Auch wissenschaftliche Begleitung und Wirkungsanalysen haben dazu beigetragen, den gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen Sozialer Unternehmen sichtbar zu machen.
Krisen als Motor für Innovation
Wie anpassungsfähig Soziale Unternehmen sind, zeigte sich besonders während der Corona-Pandemie. Mitgliedsbetriebe reagierten kurzfristig auf neue Anforderungen – unter anderem mit der gemeinsamen #maskforce.
Gleichzeitig machte die Pandemie deutlich, wie schnell mangelnde digitale Kompetenzen zu einer zusätzlichen Barriere für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe werden können.
Aus dieser Erfahrung entstanden gemeinsam mit der FH bzw. USTP St. Pölten und mit Unterstützung der Arbeiterkammer Niederösterreich zunächst Digi+ und die Digitale Werkzeugkiste. Mit Unterstützung des OeAD wurde diese mittlerweile zur Digitalen Werkzeugkiste plus weiterentwickelt.
Digitale Inklusion bleibt damit ein wesentlicher Schwerpunkt von arbeit plus Niederösterreich: Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass gerade jene Menschen zurückgelassen werden, die ohnehin mit Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt konfrontiert sind.
Transformation aktiv mitgestalten
Die nächsten Jahre bringen neue Herausforderungen. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern Berufsbilder und Arbeitsprozesse. Die ökologische Transformation schafft neue Tätigkeitsfelder und Qualifikationsanforderungen. Der demografische Wandel verändert das Arbeitskräfteangebot, während gleichzeitig viele Menschen trotz Fachkräftebedarfs Schwierigkeiten haben, dauerhaft am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Soziale Unternehmen können bei diesen Übergängen eine wichtige Rolle übernehmen: als Lernorte, Qualifizierungsräume und sichere Brücken in neue Tätigkeiten.
Dafür braucht es allerdings eine Arbeitsmarktpolitik, die nicht ausschließlich kurzfristig denkt. Aktive Arbeitsmarktpolitik sollte vielmehr als integrativer Bestandteil von Sozial-, Bildungs-, Wirtschafts- und Klimapolitik verstanden werden.

Unser neues Leitbild
Das Jubiläum bot auch den passenden Rahmen, das neue Leitbild von arbeit plus Niederösterreich vorzustellen. Gemeinsam mit dem Vorstand hat das Team in den vergangenen Monaten geschärft, wofür unser Netzwerk steht und wohin wir uns entwickeln wollen:
Wir setzen uns für einen inklusiven, sozialen und nachhaltigen Arbeitsmarkt in Niederösterreich ein.
Als Netzwerk gemeinnütziger Sozialer Unternehmen in Niederösterreich schaffen wir Perspektiven für Menschen, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind – durch Beratung, geförderte Beschäftigung und Qualifizierung.
Wir stärken Soziale Unternehmen als unverzichtbaren Teil der Aktiven Arbeitsmarktpolitik, fördern soziale Innovation und bringen Praxiserfahrung aktiv in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse ein.
Unser Handeln orientiert sich an sozialer Teilhabe,
Gleichstellung sowie ökologischer Verantwortung
– mit der Vision, Arbeit neu zu gestalten – für eine zukunftsfähige Wirtschaft.
Unser Anspruch: Gute Arbeit für alle – und ein Arbeitsmarkt, der Menschen stärkt, regionale Vielfalt sichert und Chancen ermöglicht.
Danke, Maria!
Ein Jubiläum ist immer auch ein Anlass, jenen Menschen Danke zu sagen, die den gemeinsamen Weg geprägt haben.
Ein besonderer Dank galt daher Maria Nirnsee, die arbeit plus Niederösterreich viele Jahre als Geschäftsführerin geprägt, weiterentwickelt und durch unterschiedlichste arbeitsmarktpolitische Phasen geführt hat.
Als besonderes Abschiedsgeschenk gestalteten die Kolleg:innen von NESIB Frauen ein textiles Kunstwerk: ein Stück Niederösterreich, zusammengesetzt aus vielen Verbindungen – und damit auch ein Sinnbild für das Netzwerk, das Maria über viele Jahre mit aufgebaut und zusammengehalten hat.
Für den neuen Lebensabschnitt wünschen wir ihr viele neue Wege, Begegnungen und Abenteuer – und vor allem viel Glück!


Ein Netzwerk lebt von seinen Mitgliedern
arbeit plus Niederösterreich wäre ohne seine Mitgliedsorganisationen nicht denkbar. In ganz Niederösterreich beraten, qualifizieren und beschäftigen Soziale Unternehmen Menschen und verbinden dabei soziale mit ökologischer Nachhaltigkeit.
Sie betreiben Second-Hand-Shops, Gastronomie- und Cateringangebote, Werkstätten und Grünraumbetriebe, übernehmen Dienstleistungen für Gemeinden und Unternehmen, bieten Beratung und Qualifizierung und entwickeln immer wieder neue Angebote für Menschen und Regionen.
Hinter all diesen Angeboten stehen langjährige Erfahrung, professionelles Know-how und großes Engagement. Gerade deshalb gilt unser Dank auch jenen Mitgliedern, die derzeit vor besonders schwierigen Veränderungen stehen und sich möglicherweise von Angeboten verabschieden müssen, die über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte Menschen begleitet und ihre Regionen bereichert haben.
Danke an unsere Partner:innen und Wegbegleiter:innen
30 Jahre erfolgreiche Netzwerkarbeit sind nur gemeinsam möglich. Unser Dank gilt dem AMS Niederösterreich, dem Land Niederösterreich und der Arbeiterkammer Niederösterreich, die unsere Arbeit seit vielen Jahren begleiten und auch die Jubiläumsveranstaltung unterstützt haben.

Ebenso danken wir unseren Partner:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Sozialpartnerschaft und Zivilgesellschaft, arbeit plus Österreich und den Landesnetzwerken sowie all jenen Menschen und Organisationen, mit denen wir Projekte entwickeln, Wissen austauschen und uns für einen inklusiven Arbeitsmarkt einsetzen.
Ein großes Dankeschön gilt außerdem unserem Vorstand, unserem Team und allen Kooperationspartner:innen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass aus Ideen Projekte und aus einem Netzwerk gelebte Zusammenarbeit wird.
Und natürlich unseren Mitgliedern, die auch dieses Fest mitgestaltet haben: mit Catering, Preisen für das Glücksrad, tatkräftiger Unterstützung bei Auf- und Abbau und vielen weiteren Beiträgen.
Musikalisch begleitet wurde das Jubiläum von der Borderland Dixieband, die eigens aus dem Waldviertel angereist war.

30 Jahre – und der Blick geht nach vorne
30 Jahre arbeit plus Niederösterreich zeigen, wie sehr sich Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik verändern können. Sie zeigen aber auch, was Bestand hat: Menschen brauchen Chancen, gute Rahmenbedingungen und manchmal Unterstützung, um ihren Platz am Arbeitsmarkt zu finden.
Soziale Unternehmen schaffen diese Möglichkeiten seit Jahrzehnten.
Für arbeit plus Niederösterreich bedeutet das Jubiläum deshalb nicht nur Rückblick, sondern Auftrag für die Zukunft: die Wirkung Sozialer Unternehmen sichtbar machen, ihre Erfahrungen in politische Entscheidungsprozesse einbringen, Innovation ermöglichen und gemeinsam für stabile Rahmenbedingungen eintreten.
Denn ein inklusiver, sozialer und nachhaltiger
Arbeitsmarkt entsteht nicht von selbst.
Wir gestalten ihn gemeinsam – für #gutearbeitfüralle!
alle Fotos © arbeit plus NÖ | Franz Gleiß
Medienspiegel
Eindrücke vom Fest
alle Fotos © arbeit plus NÖ | Franz Gleiß
































































































































































