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10 Jahre SDGs – Ein Kompass für Soziale Unternehmen

Ein globaler Rahmen mit lokaler Wirkung

Am 25. September 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung – ein Meilenstein, der mit seinen 17 Sustainable Development Goals (SDGs) einen globalen Rahmen für soziale, ökologische und ökonomische Transformation gesetzt hat. Österreich bekennt sich zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Nachhaltigen Entwicklungszielen. Die Agenda 2030 bietet einen international verbindlichen Rahmen, in dem systematisch alle Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung berücksichtigt werden und so ein gutes Leben für alle gemäß dem Grundsatz “Leaving no one behind” gewährleistet werden soll.

Fast zehn Jahre später ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Welche Bedeutung haben die SDGs für Soziale Unternehmen – und welchen Beitrag leisten die Mitglieder im Netzwerk von arbeit plus Niederösterreich zur Erreichung der ambitionierten Ziele?

SDGs – mehr als nur bunte Kästchen

Der bunten SDG-Zeichen sind inzwischen weithin bekannt – doch hinter ihnen steckt weit mehr als schöne Symbolik: Die Ziele sind breit angelegt und umfassen Themen wie Armutsbekämpfung, Geschlechtergleichstellung, Klimaschutz, nachhaltigen Konsum und menschenwürdige Arbeit. Obwohl in erster Linie Regierungen in der Pflicht stehen, eröffnen die Ziele auch für Zivilgesellschaft und Wirtschaft wichtige Anknüpfungspunkte.

Soziale Unternehmen bewegen sich seit Jahrzehnten genau in diesen Handlungsfeldern:

  • SDG 5 – Geschlechtergleichheit: Frauen*beratungs- und Bildungsorganisationen schaffen Perspektiven und stärken Teilhabe.
  • SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum: Die Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung ist Kernauftrag aller Sozialen Unternehmen.
  • SDG 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion: Reuse-Betriebe, Reparaturinitiativen und Kreislaufwirtschaftsprojekte leisten hier seit Langem Pionierarbeit.

So wird sichtbar: Die SDGs sind für Soziale Unternehmen kein neues Programm, sondern vielmehr ein globaler Resonanzraum für ihre seit jeher gelebten Werte. Diese oben genannten drei Sustainable Development Goals sind aber nur jene, die Soziale Unternehmen im Netzwerk von arbeit plus augenscheinlich adressieren – schaut man genauer hin, sind es noch viel mehr!

Vom globalen Ziel zum lokalen Tun

Was die SDGs so besonders macht: Sie verbinden das Große mit dem Kleinen. Sie sind ein weltweiter Rahmen – und gleichzeitig eine Einladung, vor Ort, in der Region, aktiv zu werden. Für Soziale Unternehmen bedeutet das: Sie können ihre tägliche Arbeit in einen globalen Kontext stellen. Ob Beratung, Beschäftigung, Qualifizierung oder nachhaltige Produktion – jeder Schritt trägt zu einem weltweiten Wandel bei.

Wie konkret das aussehen kann, zeigen hier einige Beispiele aus dem arbeit plus NÖ-Netzwerk:

Beispiel 1: Verein J.O.B.

Der Verein J.O.B. leistet wir einen wichtigen Beitrag zur UN-Nachhaltigkeitsagenda – insbesondere in den Bereichen „Menschenwürdige Arbeit“ (SDG 8), „Verantwortungsvoller Konsum & Produktion“ (SDG 12) und „Partnerschaften für die Ziele“ (SDG 17): Durch die Entsorgung und fachgerechte Demontage von Elektroaltgeräten sowie Problem- und Schadstoffen trennen wir wertvolle Rohstoffe, die recycelt werden – ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz. Gleichzeitig fördert das Soziale Unternehmen die soziale Integration seiner Mitarbeiter:innen: Mit gezielter Personalentwicklung, Bewerbungstrainings, Lebenslauferstellung, Praxisphasen und Workshops unterstützt das engagierte Team beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. So schafft J.O.B. nachhaltig Perspektiven und stärkt sowohl die Teilnehmenden als auch die Region – getragen durch enge Kooperationen mit AMS, Land Niederösterreich und der Stadt Waidhofen/Ybbs.

Beispiel 2: Schmiede – Zukunft und Arbeit

Die Schmiede – Zukunft und Arbeit setzt auf ökologische Nachhaltigkeit in der Region. Ob Selbsterntefeld, Biodiversitätsförderung oder die Herstellung von Nistkästen und Hochbeeten aus recyceltem Holz: Hier wächst nicht nur Gemüse, sondern auch Gemeinschaftssinn. Mit einem geplanten Schau- und Lerngarten schafft die Schmiede zusätzlich einen Ort der Bildung und Begegnung – und wird so zu einem Motor der ökologischen Transformation in Korneuburg.

Beispiel 3: Verein SAUM

Der Verein SAUM, der mit dem Jugendprojekt AVM St. Valentin Mitglied bei arbeit plus NÖ ist, zeigt, wie Kreislaufwirtschaft und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen. Vom Sozialmarkt über Energieeffizienztrainings bis zum Beitritt in die regionale Energiegemeinschaft: Schritt für Schritt entstehen konkrete Beiträge zu den SDGs – von „Kein Hunger“ (SDG 2) über „Saubere Energie“ (SDG 7) bis hin zu „Klimaschutz“ (SDG 13). Dabei gilt: Auch kleine Maßnahmen wie bewussterer Transport oder Mülltrennung können große Veränderungen in Gang setzen!

Beispiel 4: GESA – Gemeinnützige Sanierungs- und Beschäftigungs-GmbH

Österreichs Freiwilliger Nationaler Bericht zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (FNU) wurde 2024 zum zweiten Mal veröffentlicht. Er stellt eine Bestandsaufnahme umgesetzter Maßnahmen und Initiativen zur Umsetzung der Agenda 2030 in Österreich sowie weiterhin bestehender Herausforderungen dar. Wir sind stolz darauf und gratulieren herzlich dazu, dass arbeit plus Niederösterreich-Mitglied GESA – Gemeinnützige Sanierungs- und Beschäftigungs-GmbH – als Leuchtturmprojekt im Bericht Erwähnung findet!

Das Soziale Unternehmen mit Sitz in St. Pölten adressiert in seiner tagtäglichen Arbeit gleich mehrere Sustainable Development Goals und trägt somit zu einer nachhaltigen Lebens- und Arbeitsweise bei – ganz im Sinne der Agenda 2030. GESA begleitet Langzeitarbeitslose beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt und ermöglicht Zugang zu menschenwürdiger Arbeit. Gleichzeitig entstehen ökologische und sozial nachhaltige Dienstleistungen und Produkte. Hier wird gleich in Richtung Umsetzung mehrerer SDGs gearbeitet: Bildung, Armutsbekämpfung, nachhaltiger Konsum und Produktion. Als sozialintegratives Unternehmen steuert GESA multiplen Problemlagen der Teilnehmenden entgegen, greift das den SDGs innewohnende vernetzte Verständnis auf und setzt Hebel an unterschiedlichen Stellen an. Damit erhält GESA nicht nur regionale, sondern auch nationale und internationale Anerkennung – als Beispiel dafür, wie Soziale Unternehmen die SDGs in konkrete Praxis umsetzen.

Beispiel 5: fairwurzelt

Das Frauenbeschäftigungsprojekt fairwurzelt unterstützt seit rund 30 Jahren langzeitbeschäftigungslose Frauen beim Wiedereinstieg in das Erwerbsleben.

Die Arbeit des Sozialen Unternehmen zielt einerseits auf die Schaffung von gerechten Arbeitsbedingungen ab, zudem setzen sich die engagierten Kolleginnen für die Gleichberechtigung von Frauen auf allen Ebenen ein. Neben sozialem Engagement fördert fairwurzelt gezielt die psychische und physische Gesundheit der Teilnehmerinnen.

Für die folgenden 3 SDGs wurde fairwurzelt 2019 im Rahmen von “17 und wir” vom Klimabündnis und Land Niederösterreich ausgezeichnet:

SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen

Die Gesundheit der Teilnehmerinnen steht im Fokus und wird durch gezielte Maßnahmen unterstützt. So arbeiten die Frauen im über 3000m2 Biokräutergarten in und mit der Natur. In Workshops werden unterschiedliche Gesundheitsthemen aufgegriffen, Wissen vermittelt und Bewusstsein für ein gesundes Leben geschaffen.

SDG 5 – Geschlechtergerechtigkeit verwirklichen

Als Frauenprojekt setzt sich fairwurzelt für die Gleichbehandlung von Frauen ein. fairwurzelt ist Mitglied der Frauenplattform St. Pölten, wo durch zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen die realen Benachteiligungen von Frauen in unserer Gesellschaft aufgezeigt werden (zB. Equal Pay Day).

SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Als Beschäftigungsprojekt bietet fairwurzelt Frauen kollektivvertraglich geregelte Arbeitsplätze für sechs Monate unter fairen Bedingungen. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmerinnen bei Bedarf soziale und psychologische Beratung sowie Unterstützung durch eine Jobcoach.

Beispiel 6: EIBETEX

EIBETEX Waidhofen/Thaya ist ein sozialökonomischer Betrieb (SÖB) im Waldviertel. Er bietet Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt benachteiligt sind, Beratung, befristete Beschäftigung, Qualifizierung und individuelle Begleitung. Ziel ist es, soziale Integration, Chancengleichheit und nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Und auch EIBETEX leistet durch seine Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung gleich mehrerer Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030!

Im Rahmen von SDG 1 – Keine Armut trägt der Betrieb dazu bei, das Armutsrisiko zu verringern. Menschen mit Vermittlungshemmnissen erhalten durch zeitlich befristete Arbeitsplätze nicht nur ein Einkommen, sondern auch neue Perspektiven. Besonders hervorzuheben ist die Anstellung von Langzeitarbeitslosen in Kombination mit sozialpädagogischer Betreuung, die eine nachhaltige Stabilisierung ermöglicht.

Auch für SDG 4 – Hochwertige Bildung spielt bei EIBETEX eine bedeutende Rolle. Neben der praktischen Arbeit werden Qualifikationen und Fähigkeiten vermittelt, die für den Wiedereinstieg ins Berufsleben notwendig sind. Dies geschieht durch gezielte Schulungen, individuelles Coaching sowie praxisnahes „Training on the Job“.

Mit Blick auf SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum schafft EIBETEX faire und geförderte Arbeitsplätze, die am lokalen Arbeitsmarkt verankert sind. Durch Produktion, Dienstleistungen und Verkauf wird die regionale Wirtschaft gestärkt, während gleichzeitig sozial benachteiligte Menschen Zugang zu würdiger Arbeit erhalten.

Darüber hinaus unterstützt der Betrieb SDG 10 – Weniger Ungleichheiten, indem er gezielt Menschen beschäftigt, die aufgrund sozialer, gesundheitlicher oder bildungsbezogener Benachteiligungen sonst vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen wären. So wird gesellschaftliche Teilhabe gefördert und Ungleichheiten werden reduziert.

Der sozialökonomische Betrieb EIBETEX zeigt seit 35 Jahren eindrucksvoll, wie die globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 auf lokaler Ebene umgesetzt werden können. Durch die Verbindung von sozialer Integration, qualitativer Bildung, fairer Beschäftigung und ökologischer Verantwortung leistet EIBETEX einen bedeutenden Beitrag für die Region und ihre Menschen.

Die dargestellten Beispiele verdeutlichen, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das Zusammenspiel von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gelingt. EIBETEX übernimmt dabei eine Vorbildfunktion im Waldviertel, indem es Chancen schafft, Ungleichheiten reduziert und nachhaltige Strukturen stärkt.

Mit Blick auf die kommenden Jahre wird es entscheidend sein, die erfolgreiche Arbeit langfristig abzusichern, bestehende Netzwerke auszubauen und neue Kooperationen zu entwickeln. So kann EIBETEX auch weiterhin ein starker Partner für die Umsetzung der SDGs bleiben und zur positiven Entwicklung der Region beitragen!

Hoffnungsträger in Krisenzeiten

Besonders in der Corona-Krise haben die SDGs gezeigt, dass sie mehr als ein Papier sind: Sie sind ein Kompass für den Aufbruch. Sie erinnern daran, worauf es wirklich ankommt – Solidarität, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Und sie machen Mut, die Zukunft aktiv zu gestalten!

Blick nach vorn: Bis 2030 bleibt nicht mehr viel Zeit!

Noch fünf Jahre bleiben, um die Agenda 2030 umzusetzen. Klar ist: Ohne Soziale Unternehmen wird das nicht möglich sein.

Maria Nirnsee, arbeit plus NÖ Geschäftsführerin, ist überzeugt: “Soziale Unternehmen sind die treibenden Kräfte von Innovation und Transformation. Sie zeigen vor, wie Wirtschaft und Gemeinwohl zusammengedacht werden können, und sie leben vor, dass Nachhaltigkeit immer auch soziale Dimensionen hat.”

Die Herausforderung für die nächsten Jahre wird sein, die Verbindung zwischen SDGs und der Praxis Sozialer Unternehmen noch sichtbarer zu machen – durch klare Indikatoren, messbare Erfolge und starke Allianzen!

Kreis mit bunten Elementen, der für die SDGs, die Sustainable Develpment Goals, steht